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Heimatverein -> Petzow -> Villa Berglas
Villa BerglasDie Villa hat eine wechselvolle Geschichte. Zunächst Müntmannsche Ziegelei, dann im jüdischen Privatbesitz, später von den Nazis enteignet und genutzt, in der DDR Schriftstellerheim, heute wieder in Privathand. Doch lesen Sie selbst. Aus den Forschungen von Bernd Bock
Villa Berglas - eine Zeitreise und was man sonst noch wissen sollte
Chronologie/Zusammenstellung: Bernd Bock, Heimatverein Petzow e.V. 2004.- Quellen: Bundesarchiv, Berlin; Brandenburgisches Landesarchiv Potsdam ; Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin; Stadtarchiv Werder; Privatarchiv Herr Golz, Potsdam; Privatarchiv Herr Fabian, Potsdam. Zeitzeugen, u.a.: Frau Herta Bannik, Frau Christa Kozik, Herr Franz Fabian. Was die "Zeitreise" nicht verrät, was man noch wissen sollteNeben der 35 jährigen Hauptnutzungszeit als Schriftstellererholungsheim "Friedrich Wolf" erscheinen für das Grundstück und die Villa die Jahre von 1919 bis 1932 sowie von 1938 bis 1947 besonders interessant. Zu den Hintergründen der Entwicklung in diesen Zeiten sind einige Aspekte erwähnenswert. Die Stillegung des Ziegeleigeländes hing mit der Markterschöpfung zusammen. Die Auswirkungen erfaßte die gesamte Region um Werder und Glindow. Die Ziegel für Berlin hergestellt, wurden nicht mehr wie viele Jahre zuvor im großen Umfang benötigt. Der 1. Weltkrieg brach aus und verzögerte Grundstückserwerb und Bebauung im Umland. Viel Berliner - Fabrikanten und "Geldleute" bauten im Umland von Berlin sich Herrensitze und Erholungsdomizile. Dies war auch zutreffend für die Nachbargrundstücke Am Schwielowsee. Der Eigentümer Siegmund Jacob aus Berlin begann mit der Bebauung 1925/26. Er war in der Filmbranche tätig, die sich etablierte. Seine Firma, die "Filmgesellschaft Jacob & Sohn GmbH", die sich mit Vertrieb, Verleih und Produktion sowie als Agentur betätigte war nicht das einzige Unternehmen. In den Grundbüchern erscheinen auch die "Capitol Film und Aktiengesellschaft Berlin" sowie die "Allianz Tonfilmgesellschaft Berlin". Diese Firmen kauften Anteile oder zu deren Gunsten wurden Grundschulden eingetragen. Im Frühjahr 1927, in der Zeit der beginnenden Weltwirtschaftskrise ( 1929 ) muß es erhebliche Finanzierungsprobleme gegeben haben. Fünf Gläubiger sind mit Beträgen von 5.400.- RM bis 35.000.- RM im Grundbuch eingetragen - S. Jacob machte Pleite! Am 30. Januar 1932 wurde die Zwangsvollstreckung angeordnet und im November 1932 vollzogen. Die Legende, daß Marika Rökk Eigentümerin gewesen sei, findet keine Bestätigung. Sicher hat sie das Haus besucht und es ist anzunehmen, daß viele Schauspieler Gast waren und hier auch Filmpremieren gefeiert wurden. Die Versteigerung, die einen Wert von 115.000.- RM ansetzte, erbrachte einen Erlös von 80.700.- RM. Der Zuschlag ging an den Kaufmann Alfred Berglas aus Belin, Geschäftsführer und Alleininhaber der "Treuhandgesellschaft für juristische Personen mbH", Berlin .Für diese wurde die Auflassung am 17.3.1933 und das Eigentum am 13.6.1933 in das Grundbuch eingetragen. A.Berglas war auch beteiligt an der Firma "Gebrüder Berglas Mechanische Webereien AG Berlin". Brüder sind Max, Alexander und Alfred. 1938/39 wurde durch die Nazis im Zusammenspiel mit den Reichsbehörden und Banken die Enteignung des Juden A. Berglas bzw. seiner Firmen betrieben. Zunächst erfolgte am 4.1.1938 die Eintragung einer Grundschuld von 50.000.- RM zu Gunsten der Deutschen Bank, Berlin mit kurzfristiger Fälligkeit zum 30.6.1938 und mit Unterwerfung zur Zwangsvollstreckung ohne Anlaß. Ein normaler Geschäftsvorgang - freiwillig oder erzwungen? Die Grundschuld wurde am 11.4.1938 gelöscht. Wenige Tage später, am 19.4.1938 wird eine Grundschuld von 141.800.- RM unverzinslich zu Gunsten des Deutschen Reiches, vertreten durch das Finanzamt Charlottenburg Berlin eingetragen. Die Zielsetzung der Enteignung wird nun deutlich und auch vollzogen. Am 17.2.1939 verhandeln der Botschafter a.D. Friedrich Wilhelm von Prittwitz und Gafron aus Berlin, ausgewiesen als Bevollmächtigte der "Treuhandgesellschaft für juristische Personen mbH" als Eigentümerin in Vertretung von A.Berglas mit dem Italiener Comandatore Roberto Rossi aus Rom, der versichert Arier und Parteimitglied zu sein über den "Verkauf" des Anwesens für null RM. Das Protokoll ist ausgefertigt am 2.3.1939. Eine Grundschuld von 35.000.- RM zu Gunsten der "Gebrüder Berglas Mechanische Kammgarnwebereien AG Berlin" ( Namensänderung!) wird eingetragen. Im Protokoll wird vermerkt, daß die Grundlage für die Regelungen mit R. Rossi auf einen Vertrag vom 17. Januar 1939 in Paris geschlossen zur Klärung von Familienauseinandersetzungen der Geschwister Berglas ist. Die Brüder Alexander und Max Berglas erteilen am 3.2.1939 notariell beglaubigt aus London ihre Zustimmung zu den Regelungen vom 17.2.1939. Unter gleichem Datum 17.2.1939 ist die Auflassung für R. Rossi im Grundbuch eingetragen. Am 9.9.1939 genehmigt der Regierungspräsident von Berlin gemäß der "Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens vom 3.12. 1938 " den "Kaufvertrag". Alles vollzog sich innerhalb weniger Wochen im Zusammenspiel mit den Reichsbehörden. Aber die Sache geht noch weiter und der Mechanismus ist erstaunlich Am 13.6.1939 wird die Grundschuld von 141.800.- RM auf Antrag der Devisenstelle beim Oberfinanzpräsidenten in Berlin gelöscht. Am 10.6.1940 verhandelt Rechtsanwalt Hans Jasko von Putkammer vertreten durch Notare im Auftrag von R. Rossi mit Leonora Solm und Fritz Solm aus Berlin Charlottenburg Gustloffplatz 2 über den Verkauf des Grundstückes mit Villa für 141.800.- RM abzüglich der Restgrundschuld von 35.000.- RM . Die Käuferin ist Leonora Solm, Fritz Solm als Ehemann stimmt dem Kauf zu. Wie und ob eine Bezahlung von L.Solm erfolgte ist nicht belegt. Die Devisenstelle überweist 111.000.- RM nach Italien für R. Rossi zur freien Verfügung. Auf die wohl damals übliche und formale Notarfrage, ob Juden beteiligt seien - wurde notiert: nein! 1943 erfolgte die Löschung der Restgrundschuld von 35.000.- RM. Man kann annehmen, daß Fritz Solm in der Nazizeit an verantwortlicher Stelle etabliert war. Aus dem SS- Stammrollenblatt ( 3/III/M3/18 ) geht hervor, daß Fritz Solm frühzeitig, am 25.4.1933 in die NSDAP eintrat und als SS-Mann registriert und dem SS-Motorsturm 3 angehörte. Er war 1918 Leutnant, später im Freikorps - Garde Landschützenkorps, seit 2.9.1939 war sein Dienstgrad in der Wehrmacht Rittmeister z.V. - entspricht Major. Solm gehörte dem Führerrat der nationalsozialistischen Reichsfachschaft der deutschen Werbefachleute ( Mitgliedsnummer 396 ) an und war Mitglied der Reichsschriftumkammer. Bekannt ist seine Veröffentlichung: "Wer knackt die Nuß? - Kleine unterhaltsame Gehirngymnastik für alt und jung, dick und dünn, arm und reich, groß und klein, Männlein und Weiblein." Es wird erzählt, er sei enger Mitarbeiter des Reichspropagandaministers Josef Goebbels gewesen. Belegt werden konnte das nicht, ebenso wie seine angebliche Flucht nach Argentinien. Eine Zeitzeugin, Frau Herta Bannik, Haushälterin von 1942 bis 1945, erinnert sich, er sei Major und Schauspieler gewesen. Leonora Solm betrieb eine Werbeagentur in Berlin, dort wurde u.a. die Kampagne "Kohlenklau" entwickelt, die die Bürger zum Energiesparen aufrief. Am 28 Mai 1946 erteilt die in Köln wohnende Witwe Leonora Solm, geborene Agnew ausgewiesen als Werbeberaterin aus Belfast North Ireland, dem Berliner Steuerberater Herrn Reinhard Schwabe die Vollmacht , ihre Vemögensangelegenheiten in der sowjetisch besetzten Zone zu regeln. Der Wert wird mit 300.000.-RM angegeben. Am 3.2.1947 verkauft L.Solm an die "Garantie- und Kreditbank AG Berlin" für 400.000.- RM das Grundstück mit Villa! Die Bank als Käufer nutzte das Anwesen als Direktionsgebäude seit Anfang 1947. Bei dieser Bank handelt es sich um eine seit 1923 in Berlin ansässige sowjetische Bank, die während des II. Weltkrieges liquidiert wurde und ihre Tätigkeit 1945 zur Abwicklung ausländischer Finanzgeschäfte und der deutschen Reparationsleistungen wieder aufnahm. Zu Solm liegen weitere Forschungsergebnisse vor, die gegenwärtig aufbereitet werden.
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